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Zur Verhandlung apokalyptischer Deutungsschemata im Zeitalter der Reformation

Dissertationsvorhaben von Catherine Feik

Im 16. Jahrhundert ist die Präsenz eschatologischer Denkweise und apokalyptischer Erwartungshaltung deutlich. Die gängigen Motive wurden sowohl in theologischen Schriften als auch in Polemiken häufig aufgegriffen, die Gültigkeit der Deutungen immer wieder thematisiert. Die im Rahmen des Projekts zu verfassende Dissertation untersucht das Spannungsfeld unterschiedlicher Auslegungen und Instrumentalisierungen des religiösen Motivs Apokalypse vor dem Hintergrund der Reformation. Im Zentrum stehen dabei drei Positionen [1]:

(1) In der Reformation Martin Luthers und seiner Umgebung, in der die Gegenwart neu, endzeitlich gedeutet wurde, entstand durch vermeintliche Zeichen und Warnungen exegetischer, historischer und kosmischer Natur eine Erwartungshaltung, die trotz zahlreicher Uneinigkeiten im Einzelnen einem gewissen Konsens entsprach.

(2) Apokalyptische Deutungen als zentraler Aspekt in den Lehren der zeitgenössisch als “Schwärmer” bezeichneten reformatorischen Bewegungen wirkten als Motor versuchter gesellschaftlicher Umwälzungen. Oft waren es verheißungsvolle chiliastische Inhalte, die in der Mobilisierung wirksam wurden.

(3) Auf katholischer Seite war die Bestrebung vorherrschend, apokalyptische Prophetien abzumildern und der Stimmung von Endzeit abschwächend gegenüberzutreten.

Die diskursanalytische Untersuchung frühneuzeitlicher Texte und Bilder, eine kohärente Aussagenanalyse und die Kontextualisierung der untersuchten Quellen in ihren medialen sowie in ihren historischen Zusammenhängen, gewähren Rückschlüsse auf Vorstellungswelt, Zeitkonzepte und Weltentwürfe dieser Periode.

Betreut wird die Dissertation von ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Friedrich Edelmayer.

[1] Zu der folgenden Klassifizierung vgl. Thomas Kaufmann, Konfession und Kultur. Lutherischer Protestantismus in der zweiten Hälfte des Reformationsjahrhunderts, Tübingen 2006, S. 36—43.

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